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Eine windi
che Sprachlehre! Und dieß zur Wiederher
tellung jener Mundart, die wegen ihrer geringen Nutzbarkeit vielleicht eher verge
en und aus dem Lande ge
chaffet zu werden verdienet, wegen Dürftigkeit aber und Verderbniß in keine Ordnung zu bringen i
t? Al
o denket und redet man nicht
elten, und nimmt
ich
oviel heraus, als wenn man von einem Senate des alten Roms mit den Bündelrüthen in die Provinz ge
endet worden wäre, um da
elb
t aus ganzer Vollmacht eines Prokon
uls über alles und jedes zu
prechen.
Aber
achte mit dergleichen Vorurtheilen! Die windi
che Sprache i
t nicht etwan ein einzeles, von der übrigen Men
chenwelt ausge
chältes Zeug. Man betrachte nur jene Kette der
lavi
chen Nationen, die von dem äußer
ten Eismeere bis an das adriati
che
ich herziehet. Uiber
ehe man mit einem kriti
chen Blicke Kärnten, Steyermark, Krain, das Littorale, Dalmatien, Kroatien, Sklavonien; die Strecken der Winden, Bosnerkroaten, Raizen, Slowaken, Rußniaken in Ungarn; Gailitien, Ledomerien, Mähren, Böhmen ¤. und dann wird man nur die vielleicht noch nie aufgeworfene Frage beantworten können, ob man in mehreren Theilen der gro
en Oe
terreichi
chen Monarchie deut
ch oder
lavi
ch
preche? Genug Ehre hiemit und Bürgerrecht für die windi
che Mundart, als welche nicht minder ein ächter, ob
chon unglücklicher Zweig von der
lavi
chen Stamm
prache i
t, die
ich durch
o viele Erbkönigreiche und Lande verbreitet.
Ein unglücklicher Zweig,
agte ich; denn weil
ie in dem gemein
chäftlichen Leben fa
t nur von dem Pöbel allein gebrauchet wird, müßte
ie mit der Zeit aus einer nothwendigen Folge
ich alles desjenigen Wörter
chatzes beraubet
ehen, de
en
ich der gemeine Mann zu
einen Ausdrücken nicht bedienet. Zu dem i
t es genug
am bekannt, wie der Pöbel alle Sprachen in
einem Munde zu verkehren, verdrehen, ja gänzlich zu ver
talten pflege. Und nach die
em Verhältni
e fällte man auch das
trenge Urtheil von der elenden Be
chaffenheit der windi
chen. Selb
t die Gelehrten,
o mit den Winden bisher zu thun hatten, glaubten berechtiget zu
eyn,
ich
ogar in öffentlichen Reden nach allen Fehlern der verdorbenen Mundart des Landmannes zu richten. Man hielte die
e für die einzige Regel und Nicht
chnur (gleichwie es un
ere Nachbarn noch hartnäckig behaupten) weil man keine andere kennte, oder zu kennen
uchte. Unterde
en gab es doch auch Leute unter ihnen, die
ich eines be
ern befli
en. Das Unglück war nur, daß die
e zugleich bloß nach ihrem Dünkel der Sprache eine andere Wendung und Ge
talt geben wollten. Alle der gleichen Verbe
erungsmittel
ind fruchtlos. Auch die deut
che Sprache konnte zu ihrer itzigen Neinlich= und einsweiligen Gleichförmigkeit nicht eher gelangen, bis nicht die Länder mit Sprachlehren über
chwemmet, und aus die
en die mei
ten und be
ten Sätze von allen angenommen wurden. Nun redet und predigt man in den mittägigen Provinzen al
o, daß auch ein Sachs oder Schle
ier es ohne Eckel anhören, der Inländer aber ohne Mühe ver
tehen kann.
Und warum
ollten ein gleiches nicht auch wir Winden unternehmen? Glaubet mir, gelehrte und
eeleneifrige Sprachgeno
en! ob
chon der gemeine Mann nach Ver
chiedenheit der Gegenden ver
chiedene Aus
prachen und Wendungen der Wörter angenommen; ob er
chon glattweg oder grob
ich ausdrücket, ver
teht er doch den feinern Ton und regelmäßigere Wortbildung des gei
tlichen Redners; ja er wird
tolz darauf, und dünkt
ich
elb
t ein mehrers zu
eyn, wenn er
ieht, daß
eine Sprache auch nicht ohne alle Zierlichkeit i
t. Glaubet ferner mit mir meiner
elb
t eigenen Erfahrniß, da ich in meinem Mi
ionsamte alle windi
chen Pfarren abgelaufen, und dennoch überall in einer mittelmäßigen Nettigkeit redend mit Beyfalle bin ver
tanden worden.
Hierzu nun i
t eine Sprachlehre unumgänglich nöthig, und die
e liefere ich euch hiemit auf Verlangen vieler Sprachbefli
enen. Ich habe das Eis gleich
am brechen, und gewi
e Sachen fe
t
etzen mü
en, die doch alle in der Sprachähnlichkeit ihren Grund haben. Verdienen
ie euren Beyfall,
o richtet eure Reden nach den
elben ein, und gebet un
erer Sprache eine
chönere Ge
talt und neues Leben.
Nichts eckelhafter i
t, als Redner in was immer für einer Sprache zu hören, welche
ich gewi
er Zierlichkeiten anma
en; weil
ie aber keine Sprachlehre, derer
ie doch häufige haben, in die Hand nehmen wollen, jede Minute in grammatikali
che Fehler verfallen, und belachet oder bedauret zu werden verdienen.
Glaube aber nur niemand, er finde in die
em kleinen Werke etwas übertriebenes. Es läßt
ich un
ere ob
chon bisher geringge
chätzte oder verwerfenswürdige Sprache ganz natürlich in die Regeln bringen, und zeiget bey ihren Uiberbleib
eln, daß
ie aus jenem fruchtbaren Baume ab
tammet, der nach Fri
chens Zeugni
e auch der deut
chen manchen Saft mitgetheilet hat. Ich habe nichtsde
toweniger in vielen Stücken nachgegeben, und mich in der Tiefe gehalten. Die Sprachähnlichkeit foderte z. B. in bil, bila; gledal, gledala und hundert andern überall das l. Allein ich mußte mich
chon in Verdrängung die
es Buch
taben nach der überhandgenommenen Gewohnheit des Landes fügen, weil
olcher auch die Gelehrten bisher beygepflichtet, und das u in biu, gledau ¤. beybehalten, damit ich nicht gleich Anfangs die Sprache als unkennbar vor
tellte, und für einen Ketzer ausgerufen würde, da ich doch in der Taht ein Verbe
erer genennet zu werden verdiente. Uibrigens
teht es jedermann frey,
ich des l in dergleichen Fällen nach der Mundart fa
t aller andern
lavi
chen Völker zu bedienen, und wenn die
e Aus
prache nach der Zeit Wurzel fa
en
ollte, kann ein künftiger Sprachlehrer nach mir das jenige er
etzen, was ich geflie
entlich habe fahren la
en. Auch in den ungari
chen Berg
tädten richtet
ich kein Prediger oder Schrift
teller nach der pöbelhaften Aus
prache einiger da
elb
tigen Slowaken oder Winden, wie man
ie auch alldort nennet, die gleich den hie
igen an
tatt bil, biu auch bou auszu
prechen pflegen: und
ie werden in ihren Predigten überaus gut ver
tanden und aufgenommen; im Gegentheile aber würden
ie
ich lächerlich machen, wenn
ie auf der Kanzel
ich zu der groben Redensart herabla
en wollten.
Die übrige Recht
chreibung betreffend, wenn ich nicht allen genuggethan habe, werde ich hoffentlich als der er
te in die
er Art Nach
icht verdienen. Wenig
t i
t alles auseinander ge
etzt, und alle Undeutlichkeit gehoben, was bisher nicht war. Nur Schade, und ewig Schade! daß die mei
ten
lavi
chen Völker mit der Religion auch Theils lateini
ch Theils deut
che Buch
taben von ihren Glaubenslehrern angenommen, mit denen
ie
ich
o kümmerlich und nicht ohne vielem Zwange zu ihrer Aus
prache behelfen mü
en, die eigenen
lavi
chen aber, derer ein einziger die Stelle 3 oder 4 fremder gemäß der Natur un
erer Sprachen vertreten könnte, den Illyriern und Ru
en überla
en haben.
Und dieß i
t alles, was ich zu erinnern hatte. Nehmet,
prachbefli
ene Le
er! meine gegenwärtige Arbeit al
o auf, wie ich
ie darnieder ge
chrieben habe, und gebrauchet euch inde
en der
elben, bis der Dürftigkeit, in die un
ere Sprache durch das Schick
al der Zeitläufte i
t ver
etzet worden, auch durch ein genug
ames Wörterbuch abgeholfen werde, welches de
to eher erfolgen
oll, je mehr eifrige Mithelfer
ich hervorthun werden.
Der Verfa
er.