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Oswald Gutsmann: Windische Sprachlehre II.9.I

Neuntes Kapitel.

Von gemeinern Sprachfehlern.

I. Abchnitt.

Fehler im Gebrauche der ächten Wörter.

  1. Der Landmann vertößt ich wider die Sprachlehre meitens bey dem Mittelworte vergang. Zeit wirkender Bedeutung. Was die Verkehrung des l in ein u bey dem männlichen Gechlechte betrifft, kann man, wie in der Vorrede it gemeldet worden, der überhandgenommenen Gewohnheit darum deto leichter nachgeben, weil auch die Illyrier ein gleiches thun, und antatt l ein o etzen, z. B. vidio je, er hat geehen, und nicht vidil, was doch untreitig das grundregelmäßigte it. Wobey man zu bemerken hat, daß die Illyrier am Ende der Wörter meitens ein o etzen, wo die Windichen ein u haben, wie es eben im berührten Beypiele gechieht, welches wir alo chreiben: vidiu je, er hat geehen.

    Der größte Fehler beteht aber in der Ausprache des jenigen Buchtaben, der vor dem u teht. Diee it in der 1. Abwandlung das a, in der 2ten das e, in der 3ten das i. Aus dieen wird beonders das e, auch bisweilen das i bey einigen Zeitwörtern mit Rechte viel verchlucket, oder doch tumm ausgeprochen; oll aber niemals in einen andern Buchtaben verwandelt werden. Z. B. Tliezhem, ich toe, em tliekeu, nicht tliekuv; weil ja nur ein kurzes und tummes e, wie dergleichen auch bey den Haupt= und Beywörtern gechieht, in der fernern Abwandlung pflegt ausgelaen zu werden, wie tliekla, tliekli &c. ont müßte man agen tliekula.

    Alo auch kerbim, ich orge, em kerbeu: preche man aber nicht kerbou; denn das e it charakteritich, wie aus der fernern Abwandlung erhellet: em kerbela, mo kerbeli, kerbeti.

    Ingleichen hlihim, ich höre, hat em hlihau, mo hlihali, hlihati. Bey dem gemeinen Manne aber wird man es alo verderbt hören: em hlihuv oder hlihou, mo hliheli: wie etwann bey den gemeinen Deutchen: roit oder kroit antatt reut; teen, toäen antatt toen; hätzen oder haätzen antatt heizen.

  2. Bey der nämlichen vergangenen Zeit fehlen die gemeinen Leute noch in dem, daß ie auch in dem weiblichen und ungewien Gechlechte einfacher Zahl, und in zweyf. Zahl bey dem männl. Gechlechte ein v antatt e brauchen und agen, z. B. Ona je sele sazverva, ie hat das Kraut eingebrennt, antatt sazverla von sazvrem. Bey einigen Wörtern kömmt es gar abgechmackt heraus; wie hierinnen: Beieda je v' nami prebivava antatt prebivala das Wort hat in uns gewohnet. Letu mohtvu je zhuvu, antatt zhulu, dieß Mannsbild hat gehört.

    Dieer Fehler ein v oder u antatt l zu etzen ertrecket ich auch auf verchiedene Haupt= und Beywörter. Bey einigen habe ich, zwar wider meine Neigung, die 1. Endung betreffend der eingeienen Gewohnheit etwas nachgegeben. Doch olle man olche Gewohnheit nicht verchlimmern, und nicht mehr Buchtaben ammt dem Klange verderben, wie es einige thun, die z. B. chreiben:

    Kosou oder kosuv antatt kosel oder doch koseu, ein Bock. Miuv antatt miel oder mieu, Gedanken: wo doch untreitig ein e antatt o oder u eyn muß.

    Schreibe man alo kotel, Keel; orel, Rab; oel, Eel; vogel, Eck, Kohle; vosel, Knopf; sibel, Wiege; kopel, Bad; debel, dick; medel, mager; mersel, kalt; vedel, faul; veiel, freudig; u. d.

    Oder wenn ich einer doch nach der gemeinten Redensart etwas richten will, könnte er chreiben: koteu, sibeu, medeu &c. doch nicht kotou, sibou &c. Auch bey manchen einylbigen it regelmäiger das l als u. Alo kol, Stock; mol, Motte; tol, Stuhl; ol, Salz; vol, Ochs; diel, Theil; biel, weiß; ziel, ganz, u. a.

    Noch viel mehr oll man bey olchen Wörtern in der fernern Abänderung auch in der einf. Zahl das l beybehalten. Alo hat man zu chreiben: kosla, orla, mili, sibeli, mersla, merslega, vola, oli &c. und nicht: kosva, mersva, vova &c.

    Dem bisher betrittenen Mißbrauche, der auch in Anfang und in die Mitte vieler Wörter eingechlichen it, werden gechicktere und gelehrtere Leute durch widriges Beypiel, oviel möglich it, Einhalt thun; beonders in folgenden Fällen.

    Nach dem b, d, g, h, k, m, p, , h, s, sh, t, zh oll man kein u etzen, wofern diees mit einem darauf folgenden Selbtlauter einen falchen Doppellauter machen ollte, wie ua, ue, uo; ondern da muß antatt des u ein l eyn. Alo it zu schreiben: blatu, Moos; vedla, eine faule; glava, Kopf; od megle, von der Wolke; hlazhe, Hoen; klobuk, Hut; mlatim, ich dreche; planina, Alpe; lova, Urlaub; hlatam, ich greife; slati, onderlich; shlahten, edel; tlazhim, ich drucke; zhlovek, Mench; u. m. d.

    Fehlerhaft wäre es aber, wenn man chriebe: buatu, megue, uova, zhuovek &c.

    Noch irriger thun jene, die unter folgenden Wörtern keinen Unterchied machen: wie

    Klas, eine Aehre; kvas, Sauerteig.

    Plut oder plot, Zaun; put Schweiß.

    Isloshenje, Auslegung; isvosenje, das Ausführen.

    Vlaga, Brühe, Saft; vaga, Wage.

    Bey den ertern das l auslaen, veruracht ja eine Zweydeutigkeit.

  3. Ein ziemlich gemeiner Fehler it auch, daß man das Verneinungswörtlein ne nur wie na auspricht, auch wenn es mit einem andern Worte zuammgefügt wird. Alo hört man: na vosi antatt ne vosi, führe nicht. Das erte heißt eigentlich auf dem Wagen, oder zuammgeetzt navosi, führe an. Welche Zweydeutigkeit! Und wenn chon diee nicht enttünde, o it es doch ehr tadelhaft, da man zwichen einem und andern Wörtlein von o verchiedener Bedeutung die o leichte als erfoderliche Untercheidung vernachläiget.

    Unnütz it es auch dem Verneinungswörtlein ein k oder ke vorn anzuflicken, wie einige prechen: Kena dirjai, fahr nicht im Trabe; Kna oder kne jigrai, piele nicht; ondern man preche rein: ne dirjai, ne jigrai.

  4. In der gebietenden Art laen einige bey der 1. Abwandlung ein e antatt a hören. Z. B. Nizh ne marei e sa nja, frage nichts um ihn. Bareimo, laet uns fragen; deite, gebet. Dieß it offenbar falch, und muß ja nur heien: ne marai e, baraimo, daite.

  5. Oft hingegen wird in der chlechten Ausprache beonders bey den Zeitwörtern ein a antatt e gehört, und dieß durch die ganze gegenw. Zeit, alo tepam, tepah &c. oder gar tapam, antatt tepem, tepeh &c. ich chlage. Auch in dem Mittelworte leidender Bedeutung, wie vuzhan antatt vuzhen. Unrecht agen auch manche: ta antatt te, der, dieer.

  6. Noch chlimmer it die Verderbung der Ausprache an den nördlich= ötlich= und üdlichen Strecken von Völkermarkt, allwo die gemeinen Leute bey gar vielen Wörtern antatt des e ein a; antatt a aber ein niederes o, oder deutches a, und zwar an der Nordeite meitens durch die Nae mit einer matten Zunge hören laen: wo doch ont die lavichen Sprachen vielmehr eine Hurtigkeit ohne olchen Naenton erfodern.

  7. Beym Gebrauche einer natürlichen Hurtigkeit aber oll man ich hüten, daß man die Selbtlauter i, o und u auch am Ende nicht zutumm auspreche, oder gar verbeiße, wie es in gemeiner Rede chon gar zutark überhandgenommen hat. Daher es dann kömmt, daß ein obchon in der Sprachlehre ziemlich erfahrner Neuling doch einen gemeinwindich redenden hart verteht; der alo windich redende aber elbt nicht weiß, was für Buchtaben er am Ende braucht, und folglich eine Worte, da er auch ont des Schreibens kündig wäre, nicht zu Papier bringen kann, wenn er in der windichen Sprachlehre nicht erfahren it.

  8. Jenes it doch nicht für fehlerhaft zu rechnen, da man bey einigen, beonders einylbigen Wörtern, manchen Buchtab in der Abänderung ohne Erfoderung der Regel geändert indet. Z. B. Bug, Gott; Boga &c. antatt Buga. Kut, Bein; koti. Lies, Holz; lea. Mut, Brücke; mota. Muzh, Macht; mozhi. Nuzh, Nacht; nozhi. Riezh, Sache; rezhi. Rug, Horn; roga. ,Snieg, Schnee; nega. Vries, Heide, Heldach, vrea, u. n. a. Dergleichen Aenderung hat der allgemeine Gebrauch gerechtfertiget.


Created 25 May 2002 by DFStermole
Last Modified 14 July 2002