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Oswald Gutsmann: Windische Sprachlehre II.10

Zehntes Kapitel.

Beondere Anmerkungen von der Rechtchreibung.

Obchon die Schreibart bey den Windichen viel leichter it, als bey andern lavichen Völkern, o ind doch die meiten ausgegebenen Schriften voll mit Schreibfehlern, weil man hierinnen keine Regel hatte. Einige wollen behaupten, man müße im Windichen anders chreiben, anders aber ausprechen. Dieer Satz it insgemein falch und verderblich, weil er nur dahin verleitet, daß man zwar regelmäßig chreiben, im Ausprechen aber ich nach der verderbten Gewohnheit des Pöbels richten oll. Auch bey den Deutchen werden ehr viele Wörter in gemeiner Rede anders ausgeprochen, als ie gechrieben werden; dennoch darf diees niemand für eine Regel aufwerfen. Wer alo nett windich prechen will, kann eine Ausprache icher nach der Rechtchreibung richten, wenn er nur den ächten Gebrauch und Laut der Buchtaben beobachtet. Weil man aber in der windichen Sprache, wie in andern, bey gemeiner Rede von der Rechtchreibung oft abweicht, oder elbe nicht recht ausdrückt, o it es klar, daß man ich im Schreiben nicht nach der gemeinen Ausprache, ondern nach den Gründen der Sprachlehre zu richten habe. Nebt olchen Gründen, als welche gleich im Anfange und auch in der Foretzung dieer Sprachlehre ind angezeigt worden, können noch folgende Anmerkungen zur Rechtchreibung dienen.

  1. Man oll ich durch die deutche Schreibart nicht verleiten laen das c bey einem windichen Worte zu brauchen, obwohlen es einen rauchen oder zichenden Klang erfodert. Alo was man im Deutchen chreiben muß mit ch, ck, ch, tch, das chreibt man windich nur mit h, k, h, zh, z. B. Mihel, Michael; shakel, Sack; hala, Scherz; Tuzhanzhe, Tultchnick.

  2. Das v muß mit dem u nicht vermichet werden. Alo oll man nicht chreiben: je umeru, ondern je vmerv, er it getorben, weil diees Wort nur eine Sylbe machen muß, zu welcher nur das e als ein Selbtlauter dient. Eben darum chreibt man verv, Seil; zherv, Wurm; potok je kusvderv, der Fluß hat durchgerien. Daß u wird geetzt, wenn es als ein Selbtlauter zu tehn kömmt, oder mit einem andern Selbtlauter einen Doppellauter zu machen hat. Z. B. Teh udou, der Witwen. Je vliekeu, er hat gezogen.

  3. Auf gleiche Weie muß das j von dem i genau unterschieden werden. Es wäre alo gefehlt, wenn man chriebe: dianie, das Thun, antatt djanje. Das j kann auch am Ende eines Wortes tehn: es macht aber für ich keine eigene Sylbe, ondern behält die Eigenchaft eines Mitlauters mit einem gehörigen Laute. Z. B. Konj, ein Pferd, lautet viel anders, als wenn ich chriebe koni oder koin. Es lautet nämlich die Sylbe Konj eben alo, wie in der Abänderung konja. Alo chreibet man auch oginj, Feuer; marinj, Rede; u. a. m.

    Hüte man ich aber förderit ein j antatt i zu etzten, wenn diees letztere mit einem andern Selbtlauter oll einen Doppellauter machen. Alo wird es ganz irrig gechrieben: daj, gieb. Pojdem, ich werde gehn. Vej, wie du. Man muß chreiben: dai, poidem, vei. Dieer gezwungenen Schreibart mögen ich jene aus unern Sprachgenoen gebrauchen, die in ihrer ganzen Sprache gar keinen Doppellauter gedulden wollen.

  4. Es muß aber nicht für irrig oder verderbt angeehen werden, da die Windichen bey manchen Wörtern ein i vor dem e etzen. Z. B. Beieda, Wort; mieh, Gelächter; sviet, treu; grieh, Sünde; u. m. a. Denn eben olche Wörter werden von den Illyriern, die keinen richtigen Doppellauter zulaen wollen, alo gechrieben: bejeda, mjeh, svjet, grjeh &c.

Hier zuletzt habe ich noch füglich zu eyn erachtet, die Benennung der gewöhnlichen Monate anzuzeigen. Die bey dem gemeinen Volke üblichen windichen Namen der Monate bedeuten nur die Monate nach dem Scheine des Mondes. Die gewöhnlichen Monate hat man eit einiger Zeit, wie es manche andere Völker thun, auch im Windichen nach der Zahlordnung zu nennen angefangen. Es heißt alo der Jänner, Pervnik oder Novoletnik. Hornung, Drugnik oder Druinik. Märzen, Tretnik. April, ,Shtertnik. May, Petnik. Brachmonat, ,Shetnik. Heumonat, ,Sedemnik. Augutmonat, Oemnik. Herbtmonat, Devetnik. Weinmonat, Deetnik. Wintermonat, Ednaitnik. Chritmonat, Dvanaitnik.

Man etzt demnach die Zeit alo an: Lete bukve o bile dokonzhane v' leti 1777. na 3. den mieenza ,Shtertnika.


Created 26 May 2002 by DFStermole
Last Modified 7 August 2002